presse
Harald Ruppert
im Südkurier, Februar 2005 [pdf 108KB]
Kritik von Peter Füßl
- Zeitschrift "KULTUR" dez 04/jan 05 [PDF 328KB]
Helmuth Schönauer 17/01/05 - www.schoenauer-literatur.com
Augenlieder
Am besten hört man Augenlieder, indem man die Augen schließt:
Lyrik, Lieder, Wolken, Töne sind auf Anhieb da. Das angenehme
Hörgefühl besteht zuerst einmal aus sich selbst und
aus dem Hörer, der dieses Gefühl in sich aufdreht.
Und erst etwas später oder beim Wiederhören beginnt
man zu überlegen, was man da eigentlich hört.
Texte in wunderbarer Akustik, irgendwie als deutschsprachiges
Chanson ausgestaltet mit kabarettistischem Einschlag. Wie im
romantischen Lied geht das Klavier heftig mit der gesungenen
Semantik mit, verläßt die Bedeutung des Textes, wie
man bei einem Spaziergang zu zweit oft einen Seitenweg geht,
in Hörweite bleibt und sich dann wieder vereint.
Die Texte erzählen ungewöhnliche Begebenheiten mit
der Ernsthaftigkeit größter Gewissheit, unverrückbare
Spots hingegen werden mit dem Schalk des Zweifelns unterlegt.
Immer wieder wird eine neue Dimension eröffnet, wie sich
ja auch ein dreidimensionaler Zustand aufbaut, wenn man mit
den Augen hört oder den Ohren singt. Um das aquarellartige
Verrinnen der Sinneseindrücke geht es im Titelsong ,Augenlieder'.
"Bis der letzte Wunsch nach einem Sinn verfliegt und keine
Frage / ob Existieren etwas bringt / das Dasein darf da sein
/ solange man noch Augenlieder singt."
In den Liedern reiten Wolkenritter im Cinemascope über
das Firmament, seltsame Käuze lassen sich auf der Motorhaube
nieder, ein Augenblick verglitzert sich zu einem Kristall, und
die Liebe zielt mit wohltuenden Zeilen zwischen die Rippen des
Gedichts. Nach Irrsinnsausritten des Klaviers gibt es einen
langen, voll durchgeblasenen Text über Südamerika,
Indios spielen traurige Melodien, der Dschungel verfilzt sich
vollends in sich selbst und das lyrische Ich versucht "taktisch
klug vorzugehen, Wohnung auflösen, mir mein Konto auszahlen
lassen", aber dann wird jegliche Verbindung unterbrochen.
Christof Waibel und Etta Streicher verströmen diese angenehm
gesättigte Stimmung aus Nüssen und Brot, aus Piano
und Poesie, woraus der Esprit von Staunen und Aufklärung
aufsteigt. Literatur kann klar und leicht sein, diese CD gibt
so manchem Abend das Kerzenlicht, worin selbst stumpfe Alltagssätze
von untertags ihre poetische Nachschärfung kriegen.
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